BLOG

Notizbuch, Dokumentation, Magazin, Herbarium, Rezeptkladde, Fotoalbum, Skizzenblock, Ablage

Mein Schrecken – die Strohernte

29. Juli 2009 | Haus & Hof | 9 Kommentare

Jedes Jahr im Sommer gibt es einen Tag vor dem ich mich sehr fürchte, der Tag an dem wir Stroh einfahren. Auf einem schaukelnden Anhänger steht man in brütender Hitze, läßt sich die Arme zerstechen, schwitzt wie ein Schwein und wird mit Strohresten und Staub berieselt.

Heute ist der Tag! Der Tag auf den ich mich jedes Jahr aufs Neue NICHT freue. Heute wird Stroh eingefahren. Ganzkörperkondom liegt bereit, Wund- und Heilsalbe für zerkratzte Arme ist gekauft, notwendige Flüssigkeitszufuhr liegt im Kühlschrank und wartet auf den Einsatz. Nur ich bin alles andere als bereit.

ICH MAG NICHT!

Um 16.00 Uhr Ortszeit heißt es wie jedes Jahr, Augen zu und durch. Um mich mental auf den Strohernte vorzubereiten habe ich mir das Feld der »Freude« heute morgen angeschaut und darüber hinaus das umliegende Land geknipst.

 

 

Auf dem Bild seht Ihr das Gut von der B.org in Holz.hausen. Über das Jahr verteilt initiiert die Familie von der B.org immer sehr viele, interessante Veranstaltungen u.a. einen wunderschönen Weihnachtsmarkt in ihren Hofgebäuden.

 

Wer gut schmiert, der gut fährt

Am Anfang meiner gewerblichen Filzerkarriere durfte ich dort einen Weihnachtsmarkt beschicken. Im Schafstall. Es war kalt und die Heizpilze leider nur knapp bemessen. Ich habe ziemlich gefroren und durfte feststellen, dass es auch im 21. Jhdt. eine Zweiklassen-Gesellschaft gibt. Nämlich die, die Heizpilze bekommen und die, die zusehen dürfen wo sie wärmetechnisch blieben.

Da habe ich wohl bei Frau Freiherrin, im Gegensatz zu meinen Mitstreitern, im Vorfeld nicht genug »geschmiert«. Vielleicht hätte ich auch  den Zitronengras-Ingwertee, den Frau von und zu reichte, mehr loben müssen? Vermutlich hat sie mich dabei beobachtet, wie ich dieses gesunde Getränk mit einer kleinen Drehung meines Oberkörpers, unter gezieltem Einsatz meiner Vorhand, lautlos auf den Mulchboden der Krippenausstellung hinter mich befördert habe. Danach rückte der Heizpilz drei Stände weiter.

Dumm gelaufen. Ich sprach danach dem Glühwein zu, trank mir einen leichten Schwips an was die zwei saukalten Tage erträglicher machte.

 

Wenn der Herbst vor der Tür steht

Ich werde immer etwas wehmütig wenn das saftige Grün der Felder dem Beige des reifen Kornes weicht. Sobald die ersten Felder gemäht werden und die Schlepper mit ihrer schweren Weizenlast Richtung Raiffeisen brummen, hat der Sommer seinen Zenit überschritten und der Herbst steht schon vor der Tür. Um diesen Zeitraum beginnt der Fellwechsel bei unseren Pferden. Das kurze Sommerhaar beginnt langsam dem etwas dichteren Übergangsfell zu weichen.

 

 

Wetterzeichen und Strohphobie

Angesichts der Wolkenformationen am heutigen Himmel, schätze ich, dass wir uns beim Einfahren des Strohs ziemlich beeilen müssen. Denn, wenn sich am Himmel die Flugspuren der Flugzeuge deutlich verbreitern, weist das auf nahenden Regen hin.

Hatte ich eigentlich schon mal bemerkt, dass ich eine Strohphobie habe? 😉

 

♥ Willkommen !

Schön das Du mich gefunden hast!
In meinem Blog erwarten Dich unterhaltsame und informative Einblicke in meine Filzwelt. Damit es aber nicht zu einseitig wird, sind noch andere Themen untergemischt die mich interessieren oder bewegen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Doris Niestroj

Archiv

9 Kommentare

  1. @FeeIn meinem Wahn habe ich doch glatt Deinen Kommentar gelöscht, statt ihn frei zu geben. Daran kann mehr sehr deutlich meine Angstzustände erkennen.

  2. darf ich dich fragen, warum du eine strohphobie hast? woher das kommt? das habe ich wirklich noch nie gehört…hm…

  3. Also Stroh einfahren ist echt fies! Du hast mein volles Mitgefühl! Wir haben letztes Jahr beim Heuen geholfen, und das wiederrum fand ich viel angenehmer!LG Mila

  4. Sowas ;-)! Ob ich dir das noch mal verzeihen kann?

  5. Ach herrje, das muß ja wirklich schlimm sein, Du hast mein volles Mitgefühl!Liebe GrüßeGabriele

  6. Ich würde gerne noch das Foto mit dem Ganzkörperkondom sehen!!!!!!!LG *Svenja*

  7. @nickiMit der Phobie mußt Du nicht ganz so wörtlich nehmen. Stroh einfahren ist einfach eine äußerst unangenehme Sache. Heu auch, aber wir machen ja nur noch Ballensilage.Man steht oben auf dem schwankenden Wagen an der Rutsche, so heißt das Ding mit dem die Ballen nach oben befördert werden, bei jedem Windstoss bekommt man Dreck und Stroh ins Gesicht geschleudert.Irgendwann fängt diese Mischung an fürchterlich auf der Haut zu jucken, weil man ziemlich schwitzt und glaub mir man schwitzt wie ein Schwein. Es läuft einem den Rücken runter. Stroh wie Heu werden ja immer nur eingefahren wenn es ganz trocken ist. Das bedeutet es muß heiß sein und die Sonne knallen.Je nach Größe des Feldes kann sowas dann auch schon mal 6 Stunden und mehr dauern. In dieser Zeit bahnen sich Strohspelzen, Dreck und so weiter ihren Weg in Schuhe, Socken, Unterwäsche etc. und es juckt.Wenn das Stroh vom Feld ist, wird es zum Stall gefahren und dort auf dem Heu-/Strohboden gebanst. Also, drückende Hitze und die Ballen nochmal angefasst und aufgepackt. Da wuchtet man dann zig mal 5-7 kg je Ballen (Stroh ist leichter als Heu )über den stickig-heißen Dachboden.Wenn man nicht nachgedacht hat und wegen der Wärme ein T-Shirt mit kurzen Ärmeln trägt, dann sind die Arme von den harten Halmen hinterher völlig zerstochen.Am nächsten Morgen sind die Augen zugeklebt wegen dem vielen Staub den man abbekommen hat. Achja und den ganzen Kram atmet man auch noch ein.Nein, das ist kein Zuckerschlecken. Also ein gewisser Angstgegener ist Stroheinfahren schon für mich, weil ich weiß was das für eine Maloche ist.@ SvenjaManche Dinge sollten einfach im Verborgenen bleiben… ;).

  8. ah o.k. jetzt verstehe ich ;0)!!! … wie macht ihr das dann? taucherbrille, ganzkörper neoprenanzug, handschuhe…kappe… mai mai mai, was für eine maloche! ;0)liebste grüsse an dich

  9. Ne, Sonnenbrille, Schirmkappe, Oberteile mit langen Ärmeln und hohen Kragen, feste knöchelhohe Schuhe (Arbeitsschuhe mit Stahlkappe), dicke Jeans, Handschuhe und das bei 30 Grad im Schatten. Alles klar? 😉 Da läuft die Suppe…


♥ Willkommen !

Schön das Du mich gefunden hast!
In meinem Blog erwarten Dich unterhaltsame und informative Einblicke in meine Filzwelt. Damit es aber nicht zu einseitig wird, sind noch andere Themen untergemischt die mich interessieren oder bewegen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Doris Niestroj

Archiv