Unsere Hochzeit haben wir bewusst klein gehalten. Keine kirchliche Trauung, keine weißes Kleid, kein rauschendes Fest. Nur eine kleine Zeremonie im Standesamt mit Eltern und Trauzeugen. Anschließend waren wir gemeinsam Essen, das war’s.

In guten, wie in schlechten Zeiten – Ja!

Das Einzige was unsere Hochzeit mit allen anderen Hochzeiten gemeinsam hatte, außer dem Ja-Wort, waren die Eheringe. Sie lagen während der Zeremonie vor uns, auf einem schlichten Zinnteller, passend zu unserer kleinen Hochzeit. Wir haben sie nur an diesem Tag getragen. Seitdem hängen sie mit einem Schleifenband zusammengebunden im Schlafzimmer.

18 Jahre und 11 Monate später gibt sich ein junges Paar das Versprechen gemeinsam durchs Leben zu gehen. Im Gegensatz zu uns feierten sie diesen Tag groß mit der Familie und ihren Freunden. So wie jedes zukünftige Ehepaar haben auch sie Trauringe, um ihr Eheversprechen zu verbinden.  Aber es ist kein Zinnteller auf dem ihre Ringe liegen, sondern ein gefilztes Ringkissen, dekoriert mit roten Rosen und bestickt mit Rocaillesperlen.

Auf den Arm genommen aber nicht über die Schwelle getragen

Die Braut kommt aus unserem Bekanntenkreis und ist ein Fan von meinen Filzarbeiten. Ich wollte sie überraschen und sprach mich mit der Mutter ab, dass ich das Kissen für die Ringe filze. Denn ich wusste, dass sie sich ein Ringkissen wünschte, welches ihr Bruder zum Altar bringt. Die Familie machte sich einen Jux daraus die arme Braut bis zum Tag der Trauung im Ungewissen zu lassen.
Mehr noch, immer wenn sie sich erkundigte, ob ein Ringkissen gekauft worden wäre, dachte sich die Mutter neue „Geschichten“ aus, um das arme Mädel in die Irre zu führen. Das Härteste war wohl, als sie ihrer Tochter sagte, dass ihr Bruder gerade mit dem Häkeln des Kissens begonnen hätte … wir hatten unseren Spaß und sie hat es letztendlich mit Humor genommen!

 

Accessoire für die Hochzeit. Ringkissen aus Filz mit roten Rosen.

Schenk mir Dein Herz und sei mein

Ich habe noch nie ein Ringkissen gefilzt und war dankbar, dass ich sehr konkrete Vorgaben bekam. Die Farbstellung musste passend zum Motto der Hochzeit in rot und weiß sein. Der Bräutigam trat übrigens in roten Chucks vor den Traualtar. Die Kissenform sollte ein Herz sein, die Grundfarbe weiß, dekoriert mit roten Rosen, ansonsten wurde mir freie Hand gelassen.

Das Herzkissen ist eine Hohlform, die ich mit Bastelwatte füllte. Das Füllloch überfilzte ich anschließend und brachte das Herz walkend in Form. Die Rosen sind eine Mischung aus Wickeltechnik und einzelnen Blütenblättern. So erhalte ich schöne kompakte und formstabile Rosen, die nicht einfach nur gewickelt aussehen. Die runden Vertiefungen dienen zur Aufnahme der Ringe, die Satinbänder halten sie an Ort und Stelle. Später, wenn die Ringe am Finger stecken, sollen die Ränder der Vertiefungen die Ringe symbolisieren.

 

Accessoires für die Hochzeit. Gefilztes Ringkissen mit Rosen. Doris Niestroj - Filz & Form.

Wildes Gefummle

Etwas arg viel Frickelarbeit waren die kleinen Zahlen des Hochzeitsdatums, diese habe ich aus selbst hergestelltem Flachfilz ausgeschnitten. Ursprünglich wollte ich das Datum aufsticken, das ging aber gründlich in die Hose – mir fehlt es an Übung.

Die Überraschung ist mir jedenfalls gelungen, wie man mir berichtete. Es sind wohl ein paar Tränen der Rührung bei beiden geflossen … oder waren es etwa Tränen der Erleichterung, dass es doch kein selbst gehäkeltes Kissen vom Bruder war? 😉

 

 

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