Nach leidigen Erfahrungen auf diversen Kunsthandwerkermärkten, stürzte ich mich 2008 mit Feuereifer ins Onlinegeschäft. Ein Onlineshop war schnell eröffnet, ein einprägsamer Name rasch gefunden. Der Verkauf lief gut an. Kein Wunder, denn ich war kalkulatorisch sehr zurückhalten, um nicht zu sagen, ich verschleuderte meine Produkte zu Dumpingpreisen.

Kunsthandwerkermarkt vs. Onlineshop

Die Preisgestaltung ist beim Filzen eine fast nicht zu lösende Aufgabe. Denn, gut gemachte Filzereien brauchen ihre Zeit, dass Material ist zweitrangig bei der Preisfindung. Nur, ein Nichtfilzer weiß natürlich nicht, wie viel Zeit in dem jeweiligen Objekt steckt. Er sieht nur das,  was er in den Händen hält und kann nicht nachvollziehen, warum so eine kleine, federleichte Ansteckrose mehr als ein Stück Kuchen mit ‘ner Tasse Kaffee kosten soll. Ganz besonders nicht, weil seine Kinder im Kindergarten auch Filzen gelernt haben bzw. er im Discounter oder Gartencenter seines Vertrauens regelmäßig Filzdeko zu Schleuderpreisen erwerben kann – wo ist da bitteschön der Unterschied zu dieser mickrigen Ansteckblüte???

Diese Diskussion hatte ich fortwährend auf den Märkten und war sie zum Schluß so was von leid, ich hoffte im Onlinegeschäft davon verschont zu bleiben.

Der Blog ermöglicht Blicke hinter die Kulissen

Dazu fasste ich den Plan mit einem Blog, die zum damaligen Zeitpunkt ihren Siegeszug in der virtuellen Welt antraten, Einblicke in meine filzerische Tätigkeit zu geben. Durch den Blick hinter die Kulissen plante ich potentiellen Kunden und Interessierten das Filzen nahe zu bringen. Aufzuklären, dass es sehr wohl einen grossen Unterschied zwischen dem Filzen im Kindergarten und meinem Filzhandwerk gibt. Das eben eine mickrige Ansteckblüte  – eine Rose mit über 40 einzeln gefilzten, hauchdünnen Blütenblättern – kurzerhand 4 Stunden Arbeitszeit verschlingen kann bis sie fertig ist und jeder seine Arbeitszeit halbwegs anständig honoriert haben möchte.

Meine Arbeiten und deren Entstehung postete ich fortan regelmäßig, Google belohnte dies mit einer besseren Sichtbarkeit. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ich das  kostenlose Blogsystem von Google verwendete. Bald generierte ich mehr Anfragen und Bestellungen über meinen Blog als über den Dawanda-Shop. Der Blog war eine hervorragende Erstkontaktmöglichkeit zu meiner Zielgruppe, Google half mir dabei.

Natürlich ist mein Blog nie wirklich gross geworden, dazu ist Filz als Bloggrundthema zu speziell, zu sehr Nische. Davon ab lege ich auch keinen Wert auf Mainstream, das bin ich nicht, das möchte ich auch nicht sein. Ich wollte wirklich nur die Menschen ansprechen, die sich für meine Arbeit und das Filzen begeistern.

 

Onlineshop die.waschkueche. Doris Niestroj Filz & Form.Bilder von links nach rechts:
Taschenanhänger Love & Peace – lief damals ziemlich gut, Logo 2009-2013, Entwurf der 1. Seite mit dem Onlineshopsystem 2011. 

Wenn der Onlineshop zum Groschengrab wird

Aufgrund diverser technischer Änderungen mit denen ich nicht einverstanden war, schloss ich Ende 2010 meinen Shop bei Dawanda. Beflügelt durch den Erfolg mit meinem Blog eröffnete ich einen eigenen, selbstgeklöppelten Shop. Leider basierte das Grundgerüst nur auf HTML und CSS, was die Handhabung und Pflege extrem umständlich machte. Nach einem Jahr des mühseligen Fummelns  entschloss ich mich ein fertiges Shopsystem zu nutzen.

Ich sag es mal so, der Begriff Geldvernichtungsmaschine trifft es ziemlich gut. Die vollmundigen Versprechen, dass man mit dem Shopsystem sofort starten könne waren sanft untertrieben. Es sei denn, man bevorzugt ein verstaubtes gradient-ariallastiges Design der späten 90er. Ebenso wenig stimmte es, dass man als Laie den Shop schnell aufgesetzt bekommt und das Updaten einfach ist. Net wirklich. Ich musste mich erst tief in die Materie von PHP, Datenbanknutzung wühlen um schließlich entnervt aufzugeben und mich an jemanden zu wenden der sich damit auskennt.

 

Bilder von rechts nach links:
Kategorieseite des Onlineshopsystems nach dem kostspieligen Umbau, Tasche „Rosenresli“ – Unikat, Verschlußdetail, Detail Rosenstickerei.

Der Unterhalt eines Onlineshop ist zeit- und geldintensiv

Ich habe in die Verwaltung und Pflege, ins Updaten und Upgraden mehr Geld gesteckt, als ich darüber eingenommen habe. Dennoch war diese Erfahrung nicht vergebens.  Zur Ehrenrettung des Systems muss ich sagen, dass mittlerweile sowohl Design als auch die dahinterliegende Engine verbessert und zeitgemäß gestaltet worden sind. Dennoch, um das Standardlayout vom Design auch heute an das Corporate des eigenen Unternehmens anzupassen, bedarf es wirklich guter Kenntnisse von PHP, CSS und HTML. Ansonsten muss man sich mit einem eher unspannendem Mainstreamdesign zufrieden geben.

Mir passte es letztendlich ganz und gar nicht dass ich ständig auf die Hilfe Dritter angewiesen war, damit mein Shop anständig lief. Deswegen lernte ich in dieser Zeit  viel über die Technik, die ein solches System zum Laufen bringt, wie ich mit vielen Tricks das Design ändern konnte, entdeckte SEO und sog alles in mich auf, was ich dazu finden konnte. SEO = Search Engine Optimation. Zu Deutsch, Suchmaschinen- optimierung. Nein, ich bin kein Freak geworden, aber ich kann mir mittlerweile in einem gewissen Rahmen selber helfen. Viele technische Zusammenhänge verstehe ich besser und kann sie zu meinen Gunsten nutzen.

 

Onlineshop Produktseite die.waschkueche. Doris Niestroj Filz & Form.Bilder von links nach rechts:
Entwurf der Produktseite. Schultüte Dschungelfieber. Detail Schultüte. Das Logo von die.waschkueche von 2009-2013.

Es geht auch ohne Onlineshop

Eine weitere Erkenntnis aus diesem Onlineshop-Desaster ist, ich brauche keinen Onlineshop. Im Gegenteil, ein Shop ist für meine Gewerke eher kontraproduktiv. Der klassische Onlineshop vermittelt nun mal, dass alles immer und zu jeder Zeit in unerschöpflichen Mengen und kleinen Preisen  erhältlich ist. Das ist bei mir aber nicht der Fall. Ich fertige von Hand Einzelstücke,  Kleinstserien und individuelle Kundenaufträge im hohen Preissegment.

Bei den individuellen Kundenaufträgen kam das System letztendlich an seine Grenzen. Es gab und gibt auch heute noch keine Einstellmöglichkeiten für die vielen möglichen Varianten und Eventualitäten die ein individueller Kundenwunsch mit sich bringt. Ende vom Lied, es liefen mehr Bestellungen direkt über das Kontaktformular, als über das System selber. Hinzu kam noch, dass ich immer zwischen Blog und Shop hin- und herpendelte. In das Shopsystem konnte man nämlich keinen Blog integrieren. Deswegen fand man mich unter zwei Adressen, was immer wieder zu Irritationen führte. Dieser Umstand, dass versenkte Geld und die Tatsache das der Shop wegen der vielen individuellen Anfertigungen die meiste Zeit wenig zu bieten hatte bewog mich den Shop abzuschalten.

 

Wie es weiterging könnt Ihr im 3. Teil der Serie lesen.

Serie 

Mein Rückblick auf 10 Jahre Onlinehandel, Bloggen & Social media
Teil 1 / Meine ersten Schritte im Onlinehandel.
Teil 2 / Meine Erfahrungen mit einem Onlineshop.
Teil 3 /
Teil 4 /

 

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