Die Geschichte „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll ist spätestens seit dem Kinofilm 2010 mit Johnny Depp als verrückter Hutmacher sehr bekannt. Zugegeben, die Erzählung ist nicht das, was man bei näherer Betrachtung als kindgerecht bezeichnet. Viele heutige Erwachsene haben sich als Kinder bei dieser Geschichte geängstigt.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Mich wundert es ein wenig das ausgerechnet die fiktiven Erlebnisse von Alice bei vielen als grausam und gruselig haften blieben. Waren oder sind die Märchen der Gebrüder Grimm doch nicht minder butal, rücksichtslos und gewalttätig. Man denke an den Frosch der von einer verzogenen Göre an die Wand geschmissen wird.

An die böse Stiefmutter, die ihrer Stieftochter nach dem Leben trachtet. Bloß weil so ein bekloppter Spiegel behauptet, die Tochter sei schöner als die Königin. Es  weiß doch jeder, dass man Spiegeln nicht trauen darf. Meiner z.B. zeigt mir regelmäßig morgens eine völlig fremde Person.

Dann gibt es noch die andere Stiefmutter. Jene, die ihre Stieftochter mit Erbsenzählen schikaniert, während ihre blasierten Töchter aus erster Ehe alles puderzuckerfein in den Allerwertesten geblasen bekommen. Wobei, auch bei ihnen die geltungsbedürftige Mutter keine Gnade kennt. Sie verlangt von beiden das sie sich die Fersen abschneiden, damit sie in einen zu kleinen Schuh passen. Es geht ja das Gerücht das wir Frauen bei Schuhen zu willenlosen Geschöpfen werden, aber die Ferse abhacken?

Zum Schluß sei noch an das kleine Mädchen erinnert das seine Großmutter besucht. Letztendlich schlitzt es in einem furiosen Showdown einem Tier, dass heute unter Naturschutz steht und nur seinem natürlichem Fresstrieb nachgegangen war, den Bauch auf. Befüllt diesen, nachdem es den Mageninhalt in Form von der, vermutlich vorverdauten, Großmutter entfernt hat, mit Steinen. Was passiert? Das Tier bekommt heftigen Durst nach der Stein-OP und ersäuft elendig währen des Trinkens, weil die Steine den Vierbeiner ins Wasser ziehen.

 

 

Schultüte Alice im Wunderland aus Filz.
Filzfigur Alice im Wunderland.

Märzhase mit Taschenuhr auf der schultüte Alice im Wunderland.

Beeindruckende Phantasie

Alle Märchen erkannt? Die Liste unbarmherziger Märchen mit brutalen Background lässt sich beliebig verlängern. Betrachtet man die bekannten Märchen mal nicht glitzerverbrämt aus dem Grosse-Kuhaugen-Klimper-Disney-Trickfilmblickwinkel, erschließen sich einem nicht minder grausige Szenarien wie bei Alice.

Als Kind habe ich die Geschichte von Alice im Wunderland gerne gelesen. Was nicht bedeutet, dass ich Tieren den Bauch aufschnitt, meine Ferse abhackte oder Frösche an die Wand schmiss. Geschweige denn Flamingos als Croquetschläger zweckentfremdete oder in jeden Pilz biß, der irgendwie am Wegesrand stand.

Mich beeindruckte schon damals die grosse Portion Kreativität, die benötigt wird um solche Geschichten zu entwerfen. Ich behaupte mal, dass die Lektüre für mich eine der Initialzündungen für mein beruflichen Wunsch „später einmal irgendetwas mit Kreativität zu machen“ war. Damals mit 12. Mit 14 stand mein Berufswunsch schließlich fest … aber das ist eine andere Geschichte und nicht aus dem Wunderland.

In den Kinofilm hat mich allerdings nichts gezogen. Ich wollte mir meine, immer noch von damals bestehenden, kindlichen Phantasiebilder durch Hollywood nicht zerstören lassen.

 

 

Doku zur Herstellung der grinsekatze aus Filz für die Schultüte Alice im Wunderland.

 

So kommt Alice im Wunderland auf eine Schultüte

Entsprechend groß war meine Freude, als ich den Auftrag für eine Alice im Wunderland-Schultüte erhielt. Bevor sie wohlbehalten nach Hause zurückkehrt, erlebt Alice eine Menge absurder Abenteuer im Wunderland. Welches dieser Erlebnisse sollte die Schultüte zieren? Alle? Das waren zu viele. Ich musste eine Auswahl treffen.

Es bot sich an, dass der Zylinder des Hutmachers die Schultüte oben verschloß. Der Märzhase mit seiner Uhr durfte nicht fehlen, genauso nicht die gelegentlich transluzierende Grinsekatze. Die roten Rosen stehen stellvertretend für die Rosenkönigin mit ihrer Spielkarten-Armee, die auch noch im Ansatz Platz fanden. Dann wurde es eng auf dem umfilzten Pappkegel. Alice, die Hauptfigur, parkte ich auf der Krempe des Zylinders. Leider fanden einige Figuren dieser Fiktion keinen Platz mehr auf der Schultüte, denn die ausgewählten Charaktere sollten noch deutlich erkennbar sein. Schließlich ist es eine Schultüte und kein Wimmelbild. Deswegen keine Türen, keine Flamingos, kein Herzkönig, kein Teegeschirr.

Das nicht ganz unmaßgebliche Fläschchen mit der Aufschrift „Drink me“ fand unten an der Spitze seinen Platz.

 

 

Zylinder des verrückten Hutmachers.

Entstehung des Zylinders vom verrückten Hutmacher aus Filz für die Schultüte Alice im Wunderland.

 

Diese Schultüte entstand im Mai 2016. Sie war in der Umsetzung handwerklich als auch zeitlich sehr aufwendig und wird daher einmalig bleiben. Genauso wie die Erlebnisse von Alice im Wunderland.

 

 

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