Schultüte Pferd im Westernstyle

13. Oktober 2020 | Filz & Form

Gefilzte Schultüte mit Pferd. Entwurf und Ausführung Doris Niestroj | Filz & Form

Auch wenn ich zur Zeit keine Aufträge für Schultüten annehme, so möchte ich mir nicht nehmen lassen (fürs Protokoll) all die Schätzchen vorzustellen, die ich bislang im Blog nicht vorgestellt habe. Nach Durchsicht der Fotos habe ich festgestellt, dass da noch einiges auf Euch zukommt – nicht nur Schultüten. Ich befürchtete schon, dass ich nichts zu schreiben habe.

Eine Schultüte im Westernlook mit Pferd


Heute möchte ich Euch die Schultüte »Palomino« vorstellen. Die Schultüte war für einen Jungen, dessen Eltern begeisterte Westernreiter sind. Soweit ich mich erinnere, besaßen sie eigene Quarterhorses. Der Junge war von klein auf mit Pferden aufgewachsen, entsprechend sein Schultütenwunsch. Warum es jetzt ein Palomino wurde kann ich nur noch raten, vermutlich war sein Pferd ein Palomino.

Gefilzte Schultüte mt Pferd im Westernstyle. Idee und Anfertigung Doris Niestroj | Filz & Form

Was ein Palomino ist und wie das Quarterhorse zu seinem Namen kam

Pferdenichtwisser werden sich jetzt fragen, was denn zum Teufel ein Palomino oder ein Quarterhorse ist? Hier nun ein paar equine Fakten am Rande:

Palomino ist eine jahrhundertealte Farbzucht bei Pferden verschiedenster Rassen. Diese Pferde besitzen ein goldglänzendes Fell und helles Langhaar ( Mähne, Schweif). Es handelt sich also nicht um eine eigene Rasse sondern um eine Farbschlag, genau wie ein Schimmel oder Rappe.

Das Quarterhorse ist ein in Amerika, aus vielen verschiedenen Pferderassen, entstandenes Arbeitspferd. Eingesetzt wurde es vornehmlich zum Kühe hüten. Ihren Namen erhielten die Pferde von den Quarter Miles Races die im 18. Jhdt. in Amerika beliebt waren. Zwei Pferde traten auf der Länge einer Viertelmeile, der Quartermile, gegeneinander an. Da die Quartehorses, kurz Quarters genannt, aufgrund ihrer ausgeprägten Hinterhand auf kurze Strecken enormen Speed entwickeln können, konnte sie oftmals die Rennen für sich entscheiden. Daher Quarterhorse.

Die Krawatte der Cowboys

Zurück zur Schultüte. Diese sollte im Westernstyle gestaltete sein, aber nicht typisch nach Cowboy und Indianer aussehen. Der eingefilzte Stern in der Mitte des Hufeisens bezieht sich auf das sogenannte »Bolo Tie«. Beim Bolo Tie handelt es sich, salopp gesagt, um die Krawatte der Cowboys. Beim modernen Westernreiten gehört es, zumindest im Wettbewerb, zur Ausrüstung des Reiters. Letztendlich war der Knopf, der aussieht wie eine Münze, Ideengeber dafür.

Wie die Mähne angebracht wird

Die Nieten sind Echtsilberscheiben mit Rocailles, welche ich von Hand aufgestickt habe. Ziemlich zeitintensiv ist die Anbringung der Mähne. Ich filze sie nicht direkt mit ein. Sondern nähe sie, nachdem der Kopf fertig gefilzt ist, verdeckt in einzelnen dünnen Strängen fest. Anschließend wird sie am Mähnenkamm mit Kleber fixiert. Danach auf eine Seite gelegt und erneut versteckt festgenäht.

Dieses Vorgehensweise hat sich im Laufe einiger Pferdekopfschultüten als die Tauglichste herausgestellt, wenngleich es auch die Aufwendigste ist. Aber, dafür sehen die Mähnen meiner Pferdeschultüten eben wie Mähnen aus und nicht wie explodierte Spaghettitöpfe.

Augen, die Spiegel der Seele

Schwierig bei den Pferdeköpfen ist die korrekte Anbringung der Augen. Diese werden zum Schluss aufgebracht. Sie verändern den Ausdruck des Pferdes nämlich erheblich. Im wahrsten Sinne des Wortes kann da schnell mal etwas schiefgehen und das arme Tier schielt oder wirkt leicht grenzdebil. Ich schwanke jedes Mal bei den Augen wie ich sie gestalten soll. Natürlich oder eher nach Art des Kindchenschemas mit Lichtreflex. Hier wurde es dann der Lichtreflex und eine Mischung aus natürlich und Kindchenschema.

Schollentechnik im Schnelldurchgang erklärt

Damit der Korpus der Schultüte optisch nicht zu glatt und möglicherweise langweilig wurde, habe ich unten an der Spitze den Filz “aufgebrochen”. Dafür werden in die ausgelegte Wolle Streifen aus Folie eingelegt, mit Wolle bedeckt und eingefilzt. Nach dem Filzen werden die Streifen aufgeschnitten und rausgenommen. Da sie nicht mitfilzen entstehen solche Effekte. Diese besondere Technik erlaubt enorm viele Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Die von mir angewendete ist nur eine davon.

Zum Schluß wird neutralisiert

Kopf und Korpus sind als Hohlformen hergestellt. Dazu werden entsprechend geformte Schablonen umfilzt. Später, wird während des Walkens die genaue Form dreidimensional herausgearbeitet. Danach wird alles gewaschen, mit Essig neutralisiert, getrocknet, konfektioniert, verpackt und verschickt. In diesem Fall zu einem kleinen Jungen. Der, bekleidet mit Cowboystiefeln, einem Stetson Rancher und seinem Palomino stolz den ersten Schultag antrat.

Yee Haw!!

[ Doris Niestroj – Filz & Form ]

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