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Design ist keine Frage des Geschmacks

10. April 2016 | Filz & Form | 2 Kommentare

Ich bin gestern gefragt worden, wie ich zu den Gestaltungen der Schultüten stehe, die meinen Filztisch verlassen, ob das denn alles mein Geschmack sei? Meistens wird sehr vorsichtig gefragt, als hätte der Fragende Angst mir auf die Füße zu treten, weil es nicht sein Geschmack ist. Ihm persönlich zu viel, zu overdressed zu gedönsend, how ever.

Fakt ist

… dass es Schultüten sind die ich im Auftrag entwerfe und nicht für mich. Was ich gut finde interessiert nicht. Als guter Gestalter muß ich in der Lage sein, die Wünsche und Vorstellungen meiner Kunden umzusetzen – harmonisch, ausgewogen und gut gestaltet. Dabei ist es völlig Latte was ich als Privatmensch gut finde. Mein Geschmack spielt KEINE ROLLE!

Natürlich gibt es auch Wünsche bei denen ich auf die Bremse trete, weil ich aufgrund meiner gestalterischen Erfahrung weiß, das es einfach nicht gut aussieht. Nicht gut aussehen im Sinne von unharmonisch. Ich weiß, dass der Kunde vermutlich unglücklich sein wird und ich versuche natürlich auch nur Produkte aus meiner Werkstatt zu geben, hinter denen ich als Filzerin auch stehe. Schließlich ist mein Name damit verbunden. Daher erlaube ich mir schon mal die kreative Eigenwilligkeit auch “Nein” zu sagen, wenn ich weiß, dass es zu viel des Guten wird. Viel hilft eben nicht immer viel. 

 

 

Harmoniebedürftig

Tscha, ich sags mal so, Schultüten würde ich keine verkaufen wenn ich welche filzen würde die mir gefallen. Ich habe nämlich keinen Geschmack. Am liebsten mag ich es neutral, fast nichtssagend. Warum? Ganz einfach, in meinem Kopf tobt dauerhaft die bunte Gestaltungsschlacht. Es ist immer Alarm in der Birne, ich komme nie zur Ruhe. Schmeißt mir einen Brocken hin, mein Gehirn schnappt ihn sofort auf und geht damit ab. Irgendwann kommt es wieder und legt mir verschiedene Ideen hin.

Mein Gehirn ist wie ein verspielter schwarzer Labrador, der sich am meisten freut wenn er Stöckchen apportieren darf. Dann steht es schwanzwedelnd und hechelnd vor mir, mit einer Auswahl besabberter Ideenstöckchen und wartet darauf belohnt zu werden – mit noch mehr Stöckchen. Ja, das trifft es. Da immer richtig Leben im Oberstübchen ist, mag ich mich für mich persönlich fast gar nicht damit beschäftigen, das wäre für mich der Overkill!

Ich bin immer nur bestrebt Gestaltungsharmonien, respektive Gesetzmäßigkeiten, herzustellen. Das ist bei mir zwanghaft. Daher finde ich auch Dinge, wenn sie harmonisch sind gut bei denen andere entsetzt weggehen.

Für mich sind Harmonien wichtig. Auch Unharmonisches kann sehr harmonisch in seinem vermeintlichen “Mißklang” sein.

Wenn man mich also fragt wo ich meine Inspirationen herbekomme und wie ich zu meinen Gestaltungen stehe, kann ich nur mit der Schulter zucken und sagen:” Keine Ahnung, fragt meinen harmoniebedürftigen Labrador. Wenn der mit dem Schwanz wedelt ist es richtig.” 😉

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[ Doris Niestroj – die.waschkueche ]

2 Kommentare

  1. Wunderbar geschrieben, Doris! "In meinem Kopf ist immer Alarm!"- herrlich. Aber noch besser finde ich den Labbi Vergleich 🙂 So ist, es nun mal mit der Auftragsarbeit. Manches gefällt, manches nicht. So lange ich nichts machen soll, was komplett gegen meine Überzeugung geht, mache ich es. LG Bine

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  2. Liebe Doris,einen sehr schönen Vergleich stellst du da an. Wie Labradore ticken weiß ich auch: nein , sie werden nicht müde Stöckchen zu bringen und kommen in Konflikte, weil manchmal liegen ja auch zwei nebeneinander. Dann geht kurze Zeit nichts um dann ordnungsgemäß abzuarbeiten….Kurze Zeit habe ich mal im Verkauf gearbeitet. Es war mir nicht möglich " Eiche rustikal" zu verkaufen . Um beim Bild zu bleiben. Zuerst ist da der Eichenstamm , dann die Äste nun die Zweige und noch die Blätter ( von der Wurzel mal ganz zu schweigen).Da kämen wir ins Philosophische.Aus der Fülle dieser Möglichkeiten bei einer Linie zu bleiben, das gelingt dir immer ! Auch wenn im Kopf der Teufel los ist.Herzliche Grüße,Angela

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