Schultüte Giraffe

Schultüte Giraffe

 

Es ist Januar und somit Winter hier bei uns. Viele Vögel sind, ihrer Natur folgend, in südlichere Gefilden gezogen. Manche von ihnen, wie z.B. die Rauchschwalbe oder der Storch, sogar bis zum Kilimandscharomassiv nahe des Äquators. Was für eine Leistung!

 

Apropos  Kilimandscharo

Eigentlich handelt es sich bei dem berühmten Kilimandscharo nicht um einen einzelnen Berg, sondern um ein aus drei Bergen ( Kibo, Mawenzi und Shira ) bestehendes Bergmassiv vulkanischen Ursprungs. Der Kibo, höchster Berg Afrikas, führt selbst im subtropischen Klima Tansanias noch Gletscher. Der ihn umgebende Kilimandscharo Nationalpark wurde 1987 zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt.

Derzeit herrscht dort – jahreszeitlich bedingt – eine von Januar bis Februar bestehende Trockenheit. Trotz zweimal jährlich auftretender Trockenheit zeichnet sich die Vegetation rund um das höchste Bergmassiv des afrikanischen Kontinents durch tropische Üppigkeit aus. Diese einzigartige Landschaft bietet vielen Tieren Lebensraum.

Neben einigen der berühmten Big Five, tummelt sich auch die Massai-Giraffe ganz nonchalant in Steppe und Savanne des Nationalparks. Zupft gerne hier mal ein Blättchen aus den Kronen der Akazien, groß genug ist sie ja dafür oder galoppiert donnernd mit 55 Stundenkilometer über den trockenen Boden der Savanne. Dies meistens zum Zwecke der Flucht, weil so ein blödes Rudel Löwen wieder meint die chillige Ruhe der anderen Savannenbewohner stören zu müssen.

 

Entwürfe zur Schultüte Giraffe | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Irritierende Schildkröten und mopsige Giraffen

Giraffen sind sehr besondere Tiere und haben viele Anhänger, darunter auch ein 6-jähriger Junge. Sein Wunsch zur Einschulung: eine Schultüte mit Giraffe. Ich war begeistert von dem Thema und brauchte nicht lange nach einer Idee zu suchen. Denn, liegt nicht die Darstellung der afrikanischen Savanne nebst Kilimandscharo mehr als nahe? Einzig die noch zusätzlich gewünschte Schildkröte irritierte meine Vorstellung von der perfekten Afrika-Schultüte mit edel gefleckter Giraffe etwas. „Gibt’s Schildkröten in Afrika?“, fragte ich mich. „Oh ja, sehr schöne sogar!“, klärte mich Wikipedia auf. Ja, dann … – Wikipedia, wenn ich dich nicht hätte.

Ach ja, stehen können sollte die Giraffe auch. Schluck, stehen? Filz, weiches Material, dünne lange  Beinchen tragen dicken Körper mit langem Hals. Ich sah bereits vor meinem inneren Auge, wie im Laufe der Zeit die Filzgiraffe ihre dünnen, weichen Beine links und rechts abspreizt, um anschließend gemächlich in sich zusammenzusacken.

 

Filzprozess Giraffe für Schultüte | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Schultüte Filz. Schildkröte und Geier | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Natürlich wäre es möglich gewesen, die Beine dicker zu filzen damit sie stehen kann, aber ich wollte keine mopsige Giraffe mit pummeligen Beinchen. Die Giraffe sollte so naturalistisch sein wie möglich, das verlangt dünne Beine.
Unser Gartenzaun, bzw. Reste des Spanndrahtes des Gartenzaunes lösten das Problem. Aus dem stabilen Draht bog ich ein Gerüst, sozusagen ein abgespecktes Skelett.  Dieses wurde mit Schafwolle umwickelt, um dann entsprechend der Anatomie modelliert zu werden.

Anschließend filzte ich in mühevoller Kleinarbeit die Flecken nass auf. Anfangs erinnerte das Tier mehr an einen russischen Zupfkuchen, als an ein afrikanisches Großwild. Als es endlich fertig war, war ich ein wenig stolz ob meiner Wildtierfleckenfummelfilzerei.

 

Entspannte Geier vor malerischer Kulisse

Damit die Giraffe so richtig gut in Szene gesetzt wird benötigte es eines entsprechenden Hintergrundes. Am sinnvollsten war daher die Darstellung ihres natürlichen Habitats, der u.a. am Kilimandscharo zu finden ist. Hingebungsvoll »malte« ich daher mit Schafwolle dieses Bergmassiv mit seiner berühmten weißen Kuppe, an dessen Fuß sich eine weitläufige Steppe mit Baumvegetation anschließt. Diese Art der Gestaltung mit Filzwolle war für mich eine Premiere, noch nie hatte ich so detailliert mit Wollfasern eine vergleichbare Szenerie gestaltet.

Damit wäre die Schultüte eigentlich fertig gewesen, aber es fehlte meiner Ansicht nach noch ein i-Tüpfelchen. Es wurden zwei i-Tüpfelchen … – pardon, Geier. Entspannt sitzen sie im dichten Wipfel der größten Akazie und beobachten gelangweilt die Umgebung.

 

Schultüte Afrika aus Filz mit Giraffe und Schildkröte | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Langweilig ist mir bei dieser Schultüte ganz bestimmt nicht geworden, ich saß auch nicht währenddessen entspannt in irgendwelchen Baumwipfeln. Ganz im Gegenteil, die Umsetzung des Themas hat mich so gefordert, dass ich zwischendurch  glaubte es nicht so hinzubekommen wie ich es mir vorstellte … aber hat ja doch geklappt.

Diese Schultüte ist ein Unikat wurde von mir im Mai 2017 hergestellt.

 

Gefilzte Schultüte mit Giraffe, Schildkröte und Geiern | Doris Niestroj - Filz & Form

 

2018 | Wichtige Info zur Schultüte

Ich habe die gewerbliche Filzerei eingestellt, daher nehme ich keine Bestellungen mehr an.
Auch für Schultüten mache ich keine Ausnahme!

 

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Ein, zwei, drei im Sauseschritt …

Ein, zwei, drei im Sauseschritt …

 

… läuft die Zeit; wir laufen mit, um es mit Wilhelm Buschs Worten zu sagen. Rückblickend stelle ich erstaunt fest, wie schnell das letzte Jahr vorbeigegangen ist. Je älter man wird, desto schneller scheint es zu gehen. Kennt jemand von Euch auch dieses Phänomen? Und das neue Jahr ist auch schon wieder eine Woche alt, gerade noch Zeit einen letzten Blick auf mein 2017 zu werfen bevor 2018 so richtig loslegt.

 

Januar – März

Das Jahr 2017 fing eigentlich genauso an wie die vorherigen Jahre auch, mit Feuerwerk, Glockengeläut und den wärmsten Neujahrswünschen.

Am ersten Tag des Jahres schaufelte ich meine neue Seite mit neuem Blog hoch. Seitdem bin ich unter meinem Klarnamen »Doris Niestroj« zu finden. die.waschkueche, mit der ich seit 2008 filzend und bloggend im Internet unterwegs war, ist Geschichte. Der Blog existiert noch, ist nach wie vor zugänglich, dient aber nur noch als Archiv.

Ich genoss im Januar meine Filzpause auf ausgedehnten Spaziergängen durch die verschneite Landschaft.

Im Februar nahm ich die Schafwolle wieder auf um das erste Mal Filzpuschen nach einem Videotutorial von Art zu Leben zu filzen. Die Puschen trage ich nun schon fast ein Jahr täglich und will sie nicht mehr missen, auch im Sommer nicht.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Nach der dunklen Jahreszeit verlangte es mich Anfang März nach Farbe. Ich begann ein Kissenprojekt mit dem Thema »Hundertwasser« das ich bis heute (!) noch nicht abgeschlossen habe. Ich bin festen Willens dies aber bald zu tun, denn diese Kissen sind ein schon lange versprochenes Geschenk.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Auch zog es mich in diesem Monat in den Garten, wobei es nur bei der begeisterten Begutachtung des krümeligen Kompostes blieb – irgendwie war es noch zu kalt zum meditativen Erdeschaufeln. Also heizte ich den Ofen in der Werkstatt an und begann mit den Schultütenaufträgen für das Jahr 2017. Im Verlauf der Produktion merkte ich, dass nach 6 Jahren des ausschließlichen Schultütenfilzens die Luft bei mir raus ist.

 

April -Juni

In den folgenden Monaten filzte ich noch die anstehenden Schultütenaufträge. Obwohl es wirklich tolle Themen waren, entschied ich zukünftig keine Schultüten mehr zu filzen. Ausnahme: die noch, schon seit langem vorbestellten ( mit lange meine ich 2-4 Jahre vorher ) Restaufträge für die Einschulungen 2018. Verbunden mit dieser Entscheidung fasste ich den Entschluss, vorerst gar nicht mehr gewerblich zu filzen um einfach mal wieder gestalterisch Luft zu holen.
Was mich jedoch nicht davon abhielt eine Filzkollegin zu besuchen, mir Anfang April, neben Inspirationen, einen gepflegten Sonnenbrand zu holen und einen langgehegten Wunsch zu erfüllen. Allerdings wartet dieser noch auf Umsetzung. Ich hoffe mich dieses Jahr endlich eingehender damit zu beschäftigen. Ihr werdet es zeitnah erfahren worum es sich handelt. Mit Filzen hat es jedoch nichts zu tun.

 

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

In Atem hielt mich seit Anfang Februar die Gesundheit meines Pferdes, forderte viel Aufmerksamkeit und entwickelte sich für mich im Laufe der Wochen und Monate zu einem nervenzehrenden, bedrückenden Zustand. Der Tierarzt war wöchentlicher Gast bei uns.

 

Juli-September

Der anstehende Umbau des ansässigen Gartencenters führte im Juli, aufgrund megamäßiger Sonderangebote, zu einer Pflanzenschwemme in unserem Garten. Ich gehöre übrigens zu den unverbesserlichen Angebotspflanzenrettern. Bei 50 Cent pro Topf konnte ich nicht »Nein« sagen. Buddelnd verbrachte ich die Tage im Garten und fand endlich einen Zugang zu diesem Stück Erde, das ich vor 8 Jahren von meinem Schwiegervater übernommen habe. Sogar ein Insektenhotel zog ein.

 

 

Ich verbrachte weiterhin viele Stunden auf der Wiese und umsorgte mein Pferd. Unsere intensiven Bemühungen – die des Tierarztes und unsere – schienen Früchte zu tragen. Es machte den Eindruck als ginge es mit meinem Schimmel bergauf. Daher verbrachte ich mit ruhigem Gewissen ein paar wunderschöne Tage bei hochgeschätzten Menschen in Bayern. Ich lernte Seife sieden und erlebte den heißesten Tag des Jahres in den Alpen bei den Josefstaler Wasserfällen.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Außer einem Krebs, filzte ich noch ein Ringkissen für eine Hochzeit und eine vergessene Schultüte. Das war ein Schreck, als der Kunde anrief und sich nach seiner Schultüte erkundigte. Dann beschloss ich allerdings für den Rest des Jahres filzerisch zu pausieren, denn meine Hand machte sich mal wieder bemerkbar und ich hatte, bedingt durch mein krankes Pferd, einfach nicht mehr genug innerliche Ruhe für Kreatives.

 

Oktober-Dezember

Im Oktober musste ich eine schwere Entscheidung treffen vor der ich mich seit 8 Monaten fürchtete. Die gesundheitliche Situation von Momo ließ sich nicht mehr endgültig stabilisieren, schweren Herzens verabschiedete ich mich für immer von ihm. Die Schlachten hatten wir gewonnen, aber den Krieg verloren. Ich vermisse das quirlige, querköpfige Temperamentsbündel sehr.
Einen Nachfolger wird es nicht geben. Nachdem Talida schon ein Jahr zuvor ging und Momo ihr 2017 folgte, stehen nur noch die beiden Kaltblutsenioren im Stall. Es hat 3 Monate gedauert bis sie sich in der neuen Situation zurecht gefunden haben.

 

 

Im November entdeckte ich das Zeichnen wieder. Ferner faltete ich einen ziemlich aufwendigen Adventskalender für einen 83-jährigen, verweilte einige Tage an der Nordseeküste und genoss, bei, für die Jahreszeit eher ungewöhnlichem Traumwetter, einen der seltenen windstillen Tage im ostfriesischen Wattenmeer.

Kaum wieder zuhause, begab ich mich an die Umsetzung eines langgehegten Wunsches. Ich renovierte nach 15 Jahren mein Zimmer. Von mir wegen der Farbe mittlerweile liebevoll-spöttisch »Leberwurstzimmer« genannt. Anfang 2000 lief diese Farbe noch unter dem Begriff »Terrakotta« und war der letzte heiße Scheiß in der Interiorszene. Gegen den derzeit vorherrschenden Farb-Wohntrend Weiß mit Grau oder Schwarz entschied ich mich u.a. für ein Maigrün an einer Wand, kombiniert mit der Blumenmustertapete »Herbarium« des schwedischen Designers Stig Lindberg. Einen Tag vor Weihnachten wurde ich fertig.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Warum Grün? Die Entscheidung traf ich intuitiv. Grün fördert nicht nur die Kreativität, wirkt harmonisierend, regenerierend und entspannend, sondern sie ist auch die Farbe der Hoffnung, des Lebens. Der Pflanzen und des Frühlings. Mit Rückblick auf das vergangene Jahr hat es vielleicht seinen Grund warum ich unbedingt Grün an eine der Wände wollte?

Sollte ich dieses Jahr bewerten, so könnte ich es nicht. Denn, nüchtern betrachtet: es war ein Jahr mit eigener Besonderheit, wie die Jahre vor ihm auch ihre jeweils  individuelle Prägung hatten. 2018 wird seinen Charakter haben, ganz sicher. Wie seine Vorgänger werden auch die kommenden 12 Monate angefüllt sein mit Höhen und Tiefen, mit Lachen und Weinen, mit Trauer und Freude, mit Gesundheit und Krankheit, mit Stress und mit Ruhe.

 

Hartnäckig weiter fließt die Zeit,
die Zukunft wird Vergangenheit.
Aus einem großen Reservoir
ins andre rieselt Jahr um Jahr.

 

Wilhelm Busch

 

Willkommen 2018!

 

 

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Jahresrückblick 2016 / 3

Jahresrückblick 2016 / 3

 

Das erste halbe Jahr war vorbei. Der Sommer zeigte sich wettertechnisch von seiner besten Seite. Die aufziehenden Wolken betrafen weniger den Sommerhimmel sondern einen Teil meines Lebens. Die folgenden drei Monate waren geprägt von Abschied, Anstrengung und Änderung. Sie bargen sowohl Gutes als auch Schlechtes. Lachen und Tränen. Leben und Tod.

 

07.2016

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Der Juli war mit Abstand der schrecklichste Monat der letzten Jahre. Denn, nach sieben Jahren chronischer Krankheit haben wir unsere Stute Talida gehen lassen müssen. Sie hörte eines Tages im Juli auf zu kämpfen. Wenn man so eng mit einem Tier über einen langen Zeitraum durch Krankheit, Leidensdruck und immer wieder aufkeimende Hoffnung verbunden ist, spürt man deutlich wann das Tier aufgibt und gehen möchte.

Talida war sehr kämpferisch und hatte einen enormen Lebenswillen. Trotz oft starker Schmerzen. An diesem Tag im Juli wusste ich innerhalb einer Sekunde das sie nicht mehr wollte. Der Tierarzt hatte sie noch zwei Tage vorher untersucht und war optimistisch. Als er zwei Tage später die Stute wieder sah, fragte er was in den vergangenen 48 Stunden passiert sei, so eine extreme Zustandsverschlechterung in so kurzer Zeit habe er noch nie erlebt. Sie hat aufgegeben, war meine Antwort. Nach der Untersuchung entschieden wir sie zu erlösen.

Wir haben sie bis zum letzten Atemzug begleitet. Gestorben ist sie auf der Wiese bei der Herde.

 

08.2016

blick auf schliersee bayern

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markus-wasmeier-freilichtmuseum-scheune-alpen-schliersee-201608

 

Im August schnürte ich meine Siebensachen und fuhr in den Süden. Genaugenommen nach München, jedoch nicht zu Erholungszwecken. Die Brot- und Butterfirma erforderte unsere einwöchige Anwesenheit in Bayerns Hauptstadt. Einen Tag nahm ich mir allerdings eine Auszeit. An diesen Tag hatte ich die grosse Freude › Sophia Wagner von Art zu Leben kennenzulernen. Sophias Filzarbeiten kenne ich virtuell seit 8 Jahren. Mich beeindruckt immer aufs Neue die zurückhaltende in sich ruhende, selbstverständliche Ausstrahlung ihrer Objekte. Ihre Formsprache verzichtet auf Schnörkel, ist reduziert auf das Wesentliche und das nicht nur im Filz.

Es war eine sehr persönliche Begegnung mit intensiven Austausch und nachhaltig tiefen Eindrücken. Umgeben von hohen Bergen am Schliersee im › Freilichtmuseum Markus Wasmeier. Vielen Dank dafür Sophia! Die Eindrücke waren für mich so nachhaltig, dass ich mich endlich entschloss meine Filzerei mit meinem realen Namen zu verknüpfen. Ich versenkte die.waschkueche sozusagen in einem tiefen Bergsee in Bayern.

Ob diese Begegnung auch zustande gekommen wären, wenn meine Hand nicht gestreikt hätte? Eher nicht. Situationen die erst einmal schlimm wirken, müssen es nicht zwangsläufig sein. Es sind Wege durch andere Türen mit anderen Zimmern – manchmal führen diese Wege zu erstaunlichen Zielen und Erlebnissen.

 

09.2016

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Im September durfte ich dabei sein wie eine meiner › Schultüten die Tochter meiner Freundin an ihrem ersten Schultag begleitete. Interessante Einblicke die ich da gewann.

Der Ostheopath knetete an vier Terminen im September an meiner Hand rum und versicherte mir, dass bis Weihnachten Besserung eintreten würde. Ich begann mit den Entwürfen zu meiner neuen Website. Glatt lief dabei aber so gar nichts, die Technik machte mir mehrfach einen Strich durch die Rechnung.

Dank ostheopatischer Knetkunst filzte ich vorsichtig eine längst überfällige Taschenänderung. Es war nur ein einfacher Flachfilz und eine kleine Nilpferdbrosche. Dafür benötigte ich eine Woche. Aber, ich konnte wieder filzen ohne das die Hand am nächsten Morgen stocksteif war. Behielt der Ostheopath etwa recht?

 

 


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Jahresrückblick 2016 / 2

Jahresrückblick 2016 / 2

 

In den folgenden drei Monaten standen spannende Termine in meinem Kalender, auf die ich mich seit Wochen gefreut hatte. Angefangen im April mit einem Stelldichein von Fuchs und Katze in meiner  Werkstatt, über ungewöhnliche Filzobjekte in Göttingen, bis hin zu einer Schultüte mit einem phantasievollen Themenwunsch. 

 

04. 2016

Filzkurs Tiere filzen mit Gabriele Mazaracis. Katze aus Filz.

Filzkurs Tiere filzen mit Gabriele Mazaracis. Werkstattimpressionen.

 

Im April folgten sechs Filzbegeisterte dem Angebot in meiner Werkstatt das Tiere filzen zu lernen. Kursleiterin war nicht ich, sondern Gabi Mazaracis von › Filzkram. Das der Kurs gelingt, daran hatte ich keinen Zweifel. Selbst unerfahrene Filzerinnen kommen unter Gabis Anleitung zu hervorragenden Ergebnissen.

Ich gebe zu, für mich war das auch ein Testballon. Mit lieber Regelmäßigkeit habe ich nämlich den Gedanken, selber Filzkurse zu geben. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt wenn fremde Menschen in meiner Werkstatt arbeiten. Nach diesem Wochenende weiß ich, dass es mir nicht entspricht. Es gibt so viele gute Filzlehrende, da muss ich nicht auch noch mitmischen.

Übrigens, Gabi bietet dieses Jahr wieder Tierfilzkurse an. Wann und wo könnt Ihr bei ihr › nachlesen.

Nach dem Kurs stürzte ich mich wieder in die Schultütenproduktion. Es warteten noch so viele Bestellungen und tolle Themen. Ich freute mich auf die Umsetzung.  Hinderlich dabei wurde jedoch meine Hand. Diese holte mich nachts immer öfter mit starken Schmerzen unsanft aus dem Land der Träume. Morgens war sie angeschwollen und unbeweglich. Mit Wärme und vorsichtiger Gymnastik bekam ich sie nach 1-2 Stunden beweglich. Mensch, was war das – Rheuma, Athrose? Überfordert hatte ich sie nicht. Hoffentlich gingen die Schmerzen wieder weg. Einen Ausfall, angesichts der Bestellungen, konnte ich nicht gebrauchen.

 

 

05. 2016

Filzkurs mit Maria Friese bei Filzrausch , Göttingen. Vorbereitungen für das Filzobjekt.

Filzkurs mit Maria Friese bei Filzrausch , Göttingen. Entwurf und Filzprobe.

Filzkurs mit Maria Friese bei Filzrausch , Göttingen. Filzprobe.

 

Für Anfang Mai stand die Teilnahme an einem Filzkurs von Maria Friese bei › Filzrausch in Göttingen in meinem Kalender. Je näher das Kurswochenende rückte, desto grösser wurde meine Freude darauf.

› Maria Friese stellt wunderschöne Filzobjekte her die mich immer wieder begeistern. Endlich durfte ich diese begnadete Filzkünstlerin persönlich kennenlernen und von ihr lernen. Leider konnte ich den Kurs nicht wirklich genießen. Abends saß ich zuhause, heulend, mit schmerzender Hand. Morgens fuhr ich mit einer Elefantendosis Schmerzmittel intus nach Göttingen um irgendwie mein Objekt fertig zu bekommen. Das hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt.

Um ehrlich zu sein, ich hatte eine scheiß Angst das ich das Filzen an den Nagel hängen muss. Drei Ärzte ergaben drei verschiedene Diagnosen. Bei allen hatte ich das Gefühl, dass es sie nicht wirklich interessierte. Man empfahl mir Ibuprofen 40. Angesichts meiner Schmerzen wären Himbeerbonbons sicher eine Option zu den Ibuprofen gewesen … .

Ich musste weiterfilzen, es lagen noch die meisten Tütenbestellungen in der Pipeline. Wie sollte ich das bloß noch vier Monate lang täglich ca. 6-8 Stunden durchhalten? Die Alice im Wunderland-Schultüte lenkte mich ein wenig ab. Ich ließ mir Zeit bei der Fertigung, mehr als sonst. Doppelt so lange, um meine Hand zu schonen. Als ich die Schultüte fertig hatte, war mir klar, dass ich alle noch offenen Schultüten-Bestellungen absagen musste. Meine Hand versagte mir zunehmend und schmerzhaft den Dienst.

 

 

06.2016

Kaltblut in der untergehenden Sonne.

Landschaft Weserbergland

 

Im Juni wusste ich erst einmal mit der freigewordenen Zeit nicht viel anzufangen. Ausserdem verbot mir die Hand jegliche Aktivität. Die Werkstatt verwaiste. Mir gingen viele Fragen durch den Kopf. Ob es mit der Filzerei weitergeht und wenn ja wie? So wie bisher? In abgespeckter Form? Mehr privater Natur oder doch weiterhin zweckorientiert auf Bestellung?

Ich stellte fest, dass es einen Sommer gibt. Die letzten Jahre hatte ich die Monate März – September nur noch hinter einem Schultüten-Termin-Stressschleier wahrgenommen. Ich entschied mich, sollte ich jemals wieder filzen können, nur noch eine ganz kleine Auflage an Schultüten zu fertigen. Zu lernen, “Nein” zu sagen. Dabei auch konsequent zu sein und den Sommer zu genießen.

Meiner Hand tat die Zwangspause gut, aber am Horizont zogen dunkle Wolken auf.

 

 


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Jahresrückblick 2016 / 1

Jahresrückblick 2016 / 1

 

Letztes Jahr habe ich das Bloggen sehr vernachlässigt. Obwohl eigentlich viel passiert ist über das es sich gelohnt hätte zu schreiben. Erst einmal aus dem Rhythmus gekommen, ist es jedoch schwer den Faden wieder aufzunehmen und die Tastatur gekonnt zu bemühen. Ende letzten Jahres gelobte ich mir, 2017 startest Du im neuen Blog durch … mit 2016.

 

Wie, jetzt? Als ich über meinen Redaktionsplan (…) grübelte, stellte ich fest, dass ich letztes Jahr auf Instagram sehr rührig war, warum nicht im Blog? Der Grund ist klar, Instagram ist schnell. Schnell produziert, schnell kommuniziert, schnell konsumiert, schnell vergessen – instant eben, der Name ist Programm. In einen Blogpost muss ich mehr investieren. Mehr Zeit, mehr Gedanken, mehr Mühe. Dadurch bekommt er natürlich auch eine gewisse langlebige Wertigkeit, die Instagram so nicht schafft. Eine Wertigkeit, die von Euch geschätzt wird. Ich möchte mich bei Euch, meinen Blogleser für diese Wertschätzung bedanken und Euch auf den Stand von Instagram bringen, denn nicht alle sind auch automatisch bei Instagram.

Daher nun das letzte Jahr für den geneigten Blogleser und Instagramabstinenzler, häppchenweise im Quartal. Davon ab, auch für die Instas ist noch einiges Unbekanntes dabei.

 

01.2016 

winter-weidezaun-spaziergang

filzatelier doris niestroj-blick auf filztisch

 

Der Januar war für mich der Monat des filzerischen Durchatmens. Besonders nach der produktiven Saison 2015, brauchte ich die Zeit zum Ausruhen.

Bei Spaziergängen in der Winterlandschaft, machte ich mit Gedanken über meinen bisherigen Webauftritt die.waschkueche. Es nervte mich schon lange, dass nicht alles unter einem Dach vereint war. Der Blog hatte eine eigene Adresse. Meine Hauptdomain hatte ich auf eine Subdomain umgeleitet, auf der meine Bildergalerie zu finden war. Der verwaiste Shop dümpelte vor sich hin. Ich entschied mich endlich mit Word Press dieses Sammelsurium zu beenden und stürzte mich in die Entwurfsphase.

 

 

02.2016

polnischer bergdackel

 

Im Februar beschäftigte ich mich damit “unwesentliche” Renovierungs-Restarbeiten in meiner Werkstatt fertigzustellen. Dazu gehörten die Küche und die Fensterbänke.Hätte ich nicht für April einen Filzkurs angeboten und wäre dieser nicht bereits ausgebucht gewesen, wären diese beiden Baustellen heute noch nicht fertig. Denn: Nichts ist beständiger als ein Provisorium.

Ich bekam Besuch von einer wertgeschätzten, langjährigen Internetbekanntschaft, nebst polnischen Berggdackels. Was mal wieder beweist, dass das Internet trotz vieler Unkenrufe ein guter Ort ist um nette Menschen kennenzulernen. Apropos Unkenrufe, mir begegnete zwar keine Unke bei meine Sporteinheiten in Mutter Natur, dafür aber ein Erdkrötenpaar.

 

 

03.2016

filzwolle violett rosa lila

filzrosenstrauß

Violette Schultüte gefilzt. Mit Hufeisen, Filzrosen und grünem Chiffonband.

 

Im März startete ich die Filzsaison. Wie immer mit einfachen Modellen um meine Hände wieder gelenkig zu machen. Eine violette Rosentüte, gefolgt von einem Haflinger und einer Wikinger gingen über den Filzarbeitstisch. Bereits bei der ersten Tüte bekam ich leichte Beschwerden in der Hand. Anfangs dachte ich, dass sich das im Laufe der Zeit wegfilzt … – ich freute mich schon auf die nächste Schultüte, die ich mir für den April vorgenommen hatte. Alice im Wunderland.

 

 


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