…  so ein Einstieg in einen Post ist gar nicht so einfach. Besonders wenn man über eine Filztasche schreiben möchte, die viel Nerven gekostet hat und jetzt aussieht wie eine ganz normale Tasche aus Filz, mit zwei Farben und einem eingefilzten Schweizer Kreuz im Shoppertyp eben aussieht – so eben. Äh, weiter unten …

Natürlich gibt es zu der Tasche etwas zu schreiben. Nämlich, dass ich, wie bereits vor geraumer Zeit geschrieben, die Wollmenge um 30% zuviel berechnet und verwendet habe. Bedeutet, aus einer geplanten Messangerbag, die eigentlich einen lässigen Knautschlook haben sollte, wurde nach drei langen Sitzungen ein fett stabiler Shopper, dessen Filz”haut” 4-5 mm dick ist. Ich bin fast verzweifelt, als ich dieses mit Wasser vollgesogene, megaschwere Ungetüm vor mir hatte und nicht genau wußte, wie ich die Menge an Wolle überhaupt walken soll. Anm. d. R., Walken gibt der angefilzten Wolle Stabilität und Festigkeit. Bei Taschen unerlässlich, in diesem Fall ein mörderischer Knochenjob.

Auch diese Tasche hat wieder ein Schweizer Kreuz, war eigentlich so auch nicht geplant. Bei der ersten Tasche habe ich erst einen komplett grauen Korpus gefilzt und die rote Fläche anschließend aufgelegt. Beim Walken wandern die Fasern beider Farbflächen ineinander. Dadurch wird das Rot  matter, weil graue Fasern hochwandern und sich mit den roten vermischen. Dadurch bekommt die Tasche so einen leichten used  – look, sieht gut aus, war aber von mir nicht so gedacht. Daher, nächster Versuch.  
Nun wollte ich probieren, wie man zwei Farbflächen nicht aufeinander, sondern aneinanderlegt und dann filzt (gemacht hatte ich das schon mehrfach, aber nicht in der Größenordnung), damit die Farben schön klar bleiben.  Daher hatte ich mich erneut für das Schweizer Kreuz entschieden, weil es ein einfaches Motiv ist und ich mich nicht so sehr auf das Motiv konzentrieren muß, sondern mich ganz der Stoßkante der beiden Farbflächen widmen kann. 

Tscha,  viele Wege nach Rom … der, den ich eingeschlagen hatte jedoch nicht. Der führte schnurstracks in die Filzerwüste “Loch”. Löcher, Löcher, Löcher und die beiden Filzflächen wollten sich nicht miteinander verbinden. Natürlich hatte ich die Flächen nicht einfach nur aneinander auf Stoß gelegt, das funktioniert als schlüssige Verbindung nicht, sie lappten etwas übereinander. Aber bei der Anfangsgrösse der Tasche, inklusive Wasser das alles schwer macht, rutschten mir die knappen Überlappungen beim Drehen und Wenden immer auseinander. TEUFEL NOCHMAL!
Zu allem Überfluß hatte ich auch noch eine neue Wolle von einem anderen Anbieter verwendet, die ich von ihren Filzeigenschaften noch nicht kannte. Es ist eine behäbige Wolle die oberflächig extrem schnell anfilzt  und das war mein Problem. Damit sich die Fasern auch in der Tiefe miteinander verbinden, muß man in einer ganz bestimmten Art und Weise filzen. Nach der 6. Tasche weiß ich jetzt auch wie …. . 
Kurz und gut, die Farbflächen rissen immer auseinander und brachten mich zur Weißglut. Ich habe es dann aber doch mit viel Durchhaltevermögen und der ein oder anderen Tasse “Beruhigungs”tee geschafft. Natürlich ist die Produktionszeit fernab von Gut und Böse und entsprach ganz und gar nicht meinen geplanten Vorstellungen: Der Doris ihre neue Filztechnik ‘Schneller, weiter, höher’. Also habe ich mich nach dieser Tasche erneut aufgemacht und heraus kam, wieder ein nicht geplanter Shopper mit einer Produktionszeit fernab von Gut und Böse. Beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich, daher stelle ich nur eine Tasche vor. Nach dem 3. Versuch war ich schließlich um mehrere Erkenntnisse reicher – die Ergebnisse der Umsetzung dieser Erkenntnisse zeige ich Euch die Tage. 
Davon ab finde ich die Shopper gut und sie haben alles das, was ein klassischer Shopper braucht: Stabilität – davon reichlich, Platz für die ein oder andere Porreestange, ein Innenfutter aus kräftigem Baumwoll-Leinengemisch, eine verschließbare Innentasche, einen verstärkten Boden und ein Schlüsselankerband. 
Die Tasche ist erhältlich bei
die.waschkueche | Shop