Die Filzwerkstatt – Seife

Die Filzwerkstatt – Seife

 

Dieser Post ist der Auftakt zu einer Reihe mit dem Namen »Die Filzwerkstatt«. In unregelmäßigen Abständen werde ich in dieser Post-Serie über das  Filzhandwerk und die von mir verwendeten Materialien, Werkzeuge sowie Techniken erzählen. Warum ich das mache? Weil ich meine Begeisterung für dieses schöne Handwerk mit Dir teilen möchte und näher bringen will. Dazu plaudere ich ein wenig aus meinem persönlichen Filzernähkästchen. Heute stelle ich Dir eines der wichtigsten Utensilien vor: die Seife. 

 

Warum Seife das Filzen erleichtert

Mit dem Filzen wurde ich zur bekennenden Seifenliebhaberin. Das liegt ein wenig in der Natur des Filzens. Denn, um gute Filzergebnisse zu bekommen benötigt man Seife. Gelöst in Wasser sorgt diese nämlich dafür, dass sich die Schuppen der Wollfasern,  je nach PH-Wert der Seife, unterschiedlich intensiv abspreizen. Durch die drückenden, rollenden, schlagenden, knetenden und kreisenden Bewegungen beim Filzen schieben sich die Wollfasern ineinander und verhaken sich aufgrund der abgespreizten Schuppen. Das daraus entstehende Gewebe nennt sich Filz.

Jede Filzerin hat ihre bevorzugte Seife mit der sie arbeitet. Dabei ist es eigentlich egal welche Seife genommen wird. Für einen zügigen Filzprozess ist der PH-Wert ausschlaggebend. Je höher der Wert, desto schneller verfilzt die Wolle. Es kann daher auch mit Geschirrspülmittel oder flüssiger Schmierseife gearbeitet werden.

 

Die Suche nach der passenden Seife

Aus Kostengründen filzte ich in der Anfangszeit mit flüssiger Schmierseife. Ich mag den Saubermanngeruch von Schmierseife sehr gerne. Jedoch, was meine Nase mag, mochten meine Hände noch lange nicht. Regelmäßiges Filzen mit dieser doch sehr »scharfen« Seife quittierten sie mit einer sehr trockenen, schuppigen Hautoberfläche und Spannungsgefühl.
Eine Zeitlang akzeptierte ich dieses Manko, denn mir war Olivenölseife für den Anfang zu teuer. Als mein Filzpensum anstieg, wurde es schwierig die Haut zwischen den Arbeiten mit medizinischen Hautcremes schnell genug zu rehabilitieren. Ausserdem, was ich an der einen Stelle durch günstige Seife einsparte, gab ich auf der anderen Seite für teure Salben aus der Apotheke wieder aus.

 

 

Also stieg ich auf Olivenölseife um. Meine Hände sind mir wichtiger als mein Geldbeutel. Es gibt verschiedene Sorten Olivenölseife mit großen Qualitätsunterschieden. In Filzerkreisen ist die Seife aus Marseille am bekanntesten – vermutlich auch die am häufigsten verwendete. Sie wird meistens in quadratischen Würfeln von 300 Gramm bzw. 600 Gramm, als Pellets oder auch geraspelt verkauft.
Die Pellets bzw. Raspeln werden in heißem Wasser aufgelöst. Mit der so entstandenen Seifenlauge wird das Filzgut befeuchtet. Dies ist eine von mehreren Methoden wie die Seife beim Filzen verwendet wird. Weitere Vorgehensweisen sind, die Seife mit einer feinen Reibe auf das Werkstück zu raspeln oder die ausgelegte Wolle anzufeuchten, um diese mit den zuvor eingeseiften Händen zu filzen.

 

 

Die Pflegeeigenschaften sind, je nach Überfettungsgrad, sehr gut. Mein Gebrauch von medizinischen Pflegecremes ging zurück. Dennoch, nach langen Filzsitzungen  – 8 Stunden und mehr – quälten mich meine Hände auch weiterhin tagelang mit Spannungsgefühl. Ausserdem hängt der Olivenölseifengeruch schwer in Nase und Kleidung.
Dieser typische, sehr markante Geruch ist nicht Jedermanns Sache. Je nach Tagesform rieche ich es mal gerne oder ertrage den schweren, öligen Geruch kaum. Sofern ich Filzen olfaktorisch beschreiben sollte wäre meine Antwort :„ Filzen riecht wie Olivenölseife“.

 

Eine Alternative zur Olivenölseife

Ich suchte nach Alternativen, dabei kam mir der Zufall zur Hilfe. In meinem Fall in Form eines Kartons voller Seifenraspeln, die beim Zuschneiden von handgesiedeten Seifen angefallen waren. Herrlich! Als ich den Karton öffnete, entfaltete sich ein wundervolles Duftpotpourri in meiner Werkstatt.
Diese Raspeln verwende ich mittlerweile nur noch zur Herstellung der Seifenlauge, mit der ich filze. Der pflegende und geruchliche Unterschied zur Olivenölseife ist deutlich. Bevor sich meine Hände melden, muss ich schon einen außergewöhnlich langen Filzmarathon hinlegen. Auch meine Nase empfindet die Geruchskulisse als angenehm und entspannend.

So ganz kann ich bislang auf die Olivenölseife aber nicht verzichten. Zum zusätzlichen Einschäumen beim Filzen ist sie  günstiger als handgesiedete Seife. Ich habe oft große Werkstücke auf dem Filztisch liegen, die neben der Seifenlauge, viel zusätzlichen Schaum beim Anfilzen benötigen. Da ist ein Stück handgesiedete Seife schnell aufgebraucht, leider.  Auf Dauer ist es daher eine sehr kostspielige Angelegenheit.

 

 

Gute, handgesiedete Seife hat zurecht ihren Preis. Denn neben dem Faktor Zeit für Herstellung, Reifung und abschließende Konfektionierung, sowie den gesetzlichen Auflagen die erfüllt sein müssen, stecken in einem solchen Seifenstück im allgemeinen auch teure Rohstoffe. Diese sind erforderlich um qualitativ hochwertige, pflegende Seifen zu erhalten. Für den guten Duft sorgen, abhängig von der Rezeptur, ätherische Öle oder Duftöle – auch nicht für ein Appel und ein Ei zu bekommen.

 

Seife selber machen

Gelegentlich bekomme ich auch handgesiedete, wunderschöne, hochwertige Seife geschenkt. Dann befinde ich mich immer im 7. Savon-Himmel. Natürlich nutze ich diese Kostbarkeiten für meine tägliche Körperpflege, aber ich verwende sie auch zum Filzen. Mancher denkt jetzt sicher: »Ist die bekloppt, so schöne Seife verwendet man doch nicht zum Filzen«. Doch, ich schon! Filzen hat für mich einen extrem hohen Stellenwert. Es hat sich in den vergangenen 20 Jahren zum wichtigsten Ausdrucksmittel meiner Kreativität entwickelt. Meine Hände helfen mir dabei meinen Ideen Gestalt zu geben, Stunde um Stunde … und dann komm ich mit Schmierseife um die Ecke … .

Meinem Portemonnaie wäre Schmierseife lieber. Mir aber nicht mehr. Ich bin nämlich mittlerweile von den handgesiedeten Seifenraspeln und den geschenkten Seifenstücken verwöhnt. Es gibt aber eine Lösung für mein Seifendilemma: wenn meine Seifenvorräte aufgebraucht sind, werde ich meine eigene Filzseife sieden ;).

Im August letzten Jahres hatte ich das unverschämte Glück unter Anleitung von Sophia Wagner Meersalzseife zu sieden. Meine Befürchtungen dass es ein kompliziertes, zeitintensives, alchimistisches Seifensieder-Geheimritual wird haben sich nicht bewahrheitet. Es war kurzweilig, spannend und hat mir richtig viel Spaß gemacht.

 

 

Das Ergebnis siehst Du auf den Fotos oben und unten. Schade, dass es noch kein Geruchsinternet gibt: 1000 Nasen möchte man haben. Wegen ihrer hohen Reinigungs- und Geruchsbindungskraft verwende ich sie gerne  nach der Gartenarbeit oder wenn ich Zwiebeln bzw. Knoblauch geschält habe. Zum Filzen ist diese Seife wegen des Salzes jedoch nicht geeignet.

 

 

Sophia ist eine begeisterte Seifensiederin und experimentiert viel. Dafür braucht es Wissen. Ihr Wissen gibt sie in ihrem Online-Videokurs »Seife selber machen« Schritt für Schritt  einfach und verständlich weiter. Ich werde in naher Zukunft sicher ein Nutznießer ihres Seifensiederwissens in Form ihres Tutorials sein.

Wenn Du keine Lust aufs Seifensieden hast, dem empfehle ich Dir die feinen handgesiedeten Seifen von der Seifenfrau – Regine Bär. Besonders die Soleseife und die Kräuterweibleinseife. Schau auch mal bei der Körperbutter vorbei. Ich liebe sie!

 

Hinweis zur Transparenz
Das ist keine bezahlte Werbung. Ich habe für die Empfehlungen keine Leistungen erhalten, sie bilden meine persönliche Meinung ab. Ich hatte einfach Lust dazu sie vorzustellen.

 

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Schultüte Giraffe

Schultüte Giraffe

 

Es ist Januar und somit Winter hier bei uns. Viele Vögel sind, ihrer Natur folgend, in südlichere Gefilden gezogen. Manche von ihnen, wie z.B. die Rauchschwalbe oder der Storch, sogar bis zum Kilimandscharomassiv nahe des Äquators. Was für eine Leistung!

 

Apropos  Kilimandscharo

Eigentlich handelt es sich bei dem berühmten Kilimandscharo nicht um einen einzelnen Berg, sondern um ein aus drei Bergen ( Kibo, Mawenzi und Shira ) bestehendes Bergmassiv vulkanischen Ursprungs. Der Kibo, höchster Berg Afrikas, führt selbst im subtropischen Klima Tansanias noch Gletscher. Der ihn umgebende Kilimandscharo Nationalpark wurde 1987 zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt.

Derzeit herrscht dort – jahreszeitlich bedingt – eine von Januar bis Februar bestehende Trockenheit. Trotz zweimal jährlich auftretender Trockenheit zeichnet sich die Vegetation rund um das höchste Bergmassiv des afrikanischen Kontinents durch tropische Üppigkeit aus. Diese einzigartige Landschaft bietet vielen Tieren Lebensraum.

Neben einigen der berühmten Big Five, tummelt sich auch die Massai-Giraffe ganz nonchalant in Steppe und Savanne des Nationalparks. Zupft gerne hier mal ein Blättchen aus den Kronen der Akazien, groß genug ist sie ja dafür oder galoppiert donnernd mit 55 Stundenkilometer über den trockenen Boden der Savanne. Dies meistens zum Zwecke der Flucht, weil so ein blödes Rudel Löwen wieder meint die chillige Ruhe der anderen Savannenbewohner stören zu müssen.

 

Entwürfe zur Schultüte Giraffe | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Irritierende Schildkröten und mopsige Giraffen

Giraffen sind sehr besondere Tiere und haben viele Anhänger, darunter auch ein 6-jähriger Junge. Sein Wunsch zur Einschulung: eine Schultüte mit Giraffe. Ich war begeistert von dem Thema und brauchte nicht lange nach einer Idee zu suchen. Denn, liegt nicht die Darstellung der afrikanischen Savanne nebst Kilimandscharo mehr als nahe? Einzig die noch zusätzlich gewünschte Schildkröte irritierte meine Vorstellung von der perfekten Afrika-Schultüte mit edel gefleckter Giraffe etwas. „Gibt’s Schildkröten in Afrika?“, fragte ich mich. „Oh ja, sehr schöne sogar!“, klärte mich Wikipedia auf. Ja, dann … – Wikipedia, wenn ich dich nicht hätte.

Ach ja, stehen können sollte die Giraffe auch. Schluck, stehen? Filz, weiches Material, dünne lange  Beinchen tragen dicken Körper mit langem Hals. Ich sah bereits vor meinem inneren Auge, wie im Laufe der Zeit die Filzgiraffe ihre dünnen, weichen Beine links und rechts abspreizt, um anschließend gemächlich in sich zusammenzusacken.

 

Filzprozess Giraffe für Schultüte | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Schultüte Filz. Schildkröte und Geier | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Natürlich wäre es möglich gewesen, die Beine dicker zu filzen damit sie stehen kann, aber ich wollte keine mopsige Giraffe mit pummeligen Beinchen. Die Giraffe sollte so naturalistisch sein wie möglich, das verlangt dünne Beine.
Unser Gartenzaun, bzw. Reste des Spanndrahtes des Gartenzaunes lösten das Problem. Aus dem stabilen Draht bog ich ein Gerüst, sozusagen ein abgespecktes Skelett.  Dieses wurde mit Schafwolle umwickelt, um dann entsprechend der Anatomie modelliert zu werden.

Anschließend filzte ich in mühevoller Kleinarbeit die Flecken nass auf. Anfangs erinnerte das Tier mehr an einen russischen Zupfkuchen, als an ein afrikanisches Großwild. Als es endlich fertig war, war ich ein wenig stolz ob meiner Wildtierfleckenfummelfilzerei.

 

Entspannte Geier vor malerischer Kulisse

Damit die Giraffe so richtig gut in Szene gesetzt wird benötigte es eines entsprechenden Hintergrundes. Am sinnvollsten war daher die Darstellung ihres natürlichen Habitats, der u.a. am Kilimandscharo zu finden ist. Hingebungsvoll »malte« ich daher mit Schafwolle dieses Bergmassiv mit seiner berühmten weißen Kuppe, an dessen Fuß sich eine weitläufige Steppe mit Baumvegetation anschließt. Diese Art der Gestaltung mit Filzwolle war für mich eine Premiere, noch nie hatte ich so detailliert mit Wollfasern eine vergleichbare Szenerie gestaltet.

Damit wäre die Schultüte eigentlich fertig gewesen, aber es fehlte meiner Ansicht nach noch ein i-Tüpfelchen. Es wurden zwei i-Tüpfelchen … – pardon, Geier. Entspannt sitzen sie im dichten Wipfel der größten Akazie und beobachten gelangweilt die Umgebung.

 

Schultüte Afrika aus Filz mit Giraffe und Schildkröte | Doris Niestroj - Filz & Form

 

Langweilig ist mir bei dieser Schultüte ganz bestimmt nicht geworden, ich saß auch nicht währenddessen entspannt in irgendwelchen Baumwipfeln. Ganz im Gegenteil, die Umsetzung des Themas hat mich so gefordert, dass ich zwischendurch  glaubte es nicht so hinzubekommen wie ich es mir vorstellte … aber hat ja doch geklappt.

Diese Schultüte ist ein Unikat wurde von mir im Mai 2017 hergestellt.

 

Gefilzte Schultüte mit Giraffe, Schildkröte und Geiern | Doris Niestroj - Filz & Form

 

2018 | Wichtige Info zur Schultüte

Ich habe die gewerbliche Filzerei eingestellt, daher nehme ich keine Bestellungen mehr an.
Auch für Schultüten mache ich keine Ausnahme!

 

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Ein, zwei, drei im Sauseschritt …

Ein, zwei, drei im Sauseschritt …

 

… läuft die Zeit; wir laufen mit, um es mit Wilhelm Buschs Worten zu sagen. Rückblickend stelle ich erstaunt fest, wie schnell das letzte Jahr vorbeigegangen ist. Je älter man wird, desto schneller scheint es zu gehen. Kennt jemand von Euch auch dieses Phänomen? Und das neue Jahr ist auch schon wieder eine Woche alt, gerade noch Zeit einen letzten Blick auf mein 2017 zu werfen bevor 2018 so richtig loslegt.

 

Januar – März

Das Jahr 2017 fing eigentlich genauso an wie die vorherigen Jahre auch, mit Feuerwerk, Glockengeläut und den wärmsten Neujahrswünschen.

Am ersten Tag des Jahres schaufelte ich meine neue Seite mit neuem Blog hoch. Seitdem bin ich unter meinem Klarnamen »Doris Niestroj« zu finden. die.waschkueche, mit der ich seit 2008 filzend und bloggend im Internet unterwegs war, ist Geschichte. Der Blog existiert noch, ist nach wie vor zugänglich, dient aber nur noch als Archiv.

Ich genoss im Januar meine Filzpause auf ausgedehnten Spaziergängen durch die verschneite Landschaft.

Im Februar nahm ich die Schafwolle wieder auf um das erste Mal Filzpuschen nach einem Videotutorial von Art zu Leben zu filzen. Die Puschen trage ich nun schon fast ein Jahr täglich und will sie nicht mehr missen, auch im Sommer nicht.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Nach der dunklen Jahreszeit verlangte es mich Anfang März nach Farbe. Ich begann ein Kissenprojekt mit dem Thema »Hundertwasser« das ich bis heute (!) noch nicht abgeschlossen habe. Ich bin festen Willens dies aber bald zu tun, denn diese Kissen sind ein schon lange versprochenes Geschenk.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Auch zog es mich in diesem Monat in den Garten, wobei es nur bei der begeisterten Begutachtung des krümeligen Kompostes blieb – irgendwie war es noch zu kalt zum meditativen Erdeschaufeln. Also heizte ich den Ofen in der Werkstatt an und begann mit den Schultütenaufträgen für das Jahr 2017. Im Verlauf der Produktion merkte ich, dass nach 6 Jahren des ausschließlichen Schultütenfilzens die Luft bei mir raus ist.

 

April -Juni

In den folgenden Monaten filzte ich noch die anstehenden Schultütenaufträge. Obwohl es wirklich tolle Themen waren, entschied ich zukünftig keine Schultüten mehr zu filzen. Ausnahme: die noch, schon seit langem vorbestellten ( mit lange meine ich 2-4 Jahre vorher ) Restaufträge für die Einschulungen 2018. Verbunden mit dieser Entscheidung fasste ich den Entschluss, vorerst gar nicht mehr gewerblich zu filzen um einfach mal wieder gestalterisch Luft zu holen.
Was mich jedoch nicht davon abhielt eine Filzkollegin zu besuchen, mir Anfang April, neben Inspirationen, einen gepflegten Sonnenbrand zu holen und einen langgehegten Wunsch zu erfüllen. Allerdings wartet dieser noch auf Umsetzung. Ich hoffe mich dieses Jahr endlich eingehender damit zu beschäftigen. Ihr werdet es zeitnah erfahren worum es sich handelt. Mit Filzen hat es jedoch nichts zu tun.

 

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

In Atem hielt mich seit Anfang Februar die Gesundheit meines Pferdes, forderte viel Aufmerksamkeit und entwickelte sich für mich im Laufe der Wochen und Monate zu einem nervenzehrenden, bedrückenden Zustand. Der Tierarzt war wöchentlicher Gast bei uns.

 

Juli-September

Der anstehende Umbau des ansässigen Gartencenters führte im Juli, aufgrund megamäßiger Sonderangebote, zu einer Pflanzenschwemme in unserem Garten. Ich gehöre übrigens zu den unverbesserlichen Angebotspflanzenrettern. Bei 50 Cent pro Topf konnte ich nicht »Nein« sagen. Buddelnd verbrachte ich die Tage im Garten und fand endlich einen Zugang zu diesem Stück Erde, das ich vor 8 Jahren von meinem Schwiegervater übernommen habe. Sogar ein Insektenhotel zog ein.

 

 

Ich verbrachte weiterhin viele Stunden auf der Wiese und umsorgte mein Pferd. Unsere intensiven Bemühungen – die des Tierarztes und unsere – schienen Früchte zu tragen. Es machte den Eindruck als ginge es mit meinem Schimmel bergauf. Daher verbrachte ich mit ruhigem Gewissen ein paar wunderschöne Tage bei hochgeschätzten Menschen in Bayern. Ich lernte Seife sieden und erlebte den heißesten Tag des Jahres in den Alpen bei den Josefstaler Wasserfällen.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Außer einem Krebs, filzte ich noch ein Ringkissen für eine Hochzeit und eine vergessene Schultüte. Das war ein Schreck, als der Kunde anrief und sich nach seiner Schultüte erkundigte. Dann beschloss ich allerdings für den Rest des Jahres filzerisch zu pausieren, denn meine Hand machte sich mal wieder bemerkbar und ich hatte, bedingt durch mein krankes Pferd, einfach nicht mehr genug innerliche Ruhe für Kreatives.

 

Oktober-Dezember

Im Oktober musste ich eine schwere Entscheidung treffen vor der ich mich seit 8 Monaten fürchtete. Die gesundheitliche Situation von Momo ließ sich nicht mehr endgültig stabilisieren, schweren Herzens verabschiedete ich mich für immer von ihm. Die Schlachten hatten wir gewonnen, aber den Krieg verloren. Ich vermisse das quirlige, querköpfige Temperamentsbündel sehr.
Einen Nachfolger wird es nicht geben. Nachdem Talida schon ein Jahr zuvor ging und Momo ihr 2017 folgte, stehen nur noch die beiden Kaltblutsenioren im Stall. Es hat 3 Monate gedauert bis sie sich in der neuen Situation zurecht gefunden haben.

 

 

Im November entdeckte ich das Zeichnen wieder. Ferner faltete ich einen ziemlich aufwendigen Adventskalender für einen 83-jährigen, verweilte einige Tage an der Nordseeküste und genoss, bei, für die Jahreszeit eher ungewöhnlichem Traumwetter, einen der seltenen windstillen Tage im ostfriesischen Wattenmeer.

Kaum wieder zuhause, begab ich mich an die Umsetzung eines langgehegten Wunsches. Ich renovierte nach 15 Jahren mein Zimmer. Von mir wegen der Farbe mittlerweile liebevoll-spöttisch »Leberwurstzimmer« genannt. Anfang 2000 lief diese Farbe noch unter dem Begriff »Terrakotta« und war der letzte heiße Scheiß in der Interiorszene. Gegen den derzeit vorherrschenden Farb-Wohntrend Weiß mit Grau oder Schwarz entschied ich mich u.a. für ein Maigrün an einer Wand, kombiniert mit der Blumenmustertapete »Herbarium« des schwedischen Designers Stig Lindberg. Einen Tag vor Weihnachten wurde ich fertig.

 

Jahresrückblick 2017 | Doris Niestroj Filz & Form

 

Warum Grün? Die Entscheidung traf ich intuitiv. Grün fördert nicht nur die Kreativität, wirkt harmonisierend, regenerierend und entspannend, sondern sie ist auch die Farbe der Hoffnung, des Lebens. Der Pflanzen und des Frühlings. Mit Rückblick auf das vergangene Jahr hat es vielleicht seinen Grund warum ich unbedingt Grün an eine der Wände wollte?

Sollte ich dieses Jahr bewerten, so könnte ich es nicht. Denn, nüchtern betrachtet: es war ein Jahr mit eigener Besonderheit, wie die Jahre vor ihm auch ihre jeweils  individuelle Prägung hatten. 2018 wird seinen Charakter haben, ganz sicher. Wie seine Vorgänger werden auch die kommenden 12 Monate angefüllt sein mit Höhen und Tiefen, mit Lachen und Weinen, mit Trauer und Freude, mit Gesundheit und Krankheit, mit Stress und mit Ruhe.

 

Hartnäckig weiter fließt die Zeit,
die Zukunft wird Vergangenheit.
Aus einem großen Reservoir
ins andre rieselt Jahr um Jahr.

 

Wilhelm Busch

 

Willkommen 2018!

 

 

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Lied im Advent

Lied im Advent

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

 

Hermann Claudius (1878-1980)

 

Ich wünsche Euch und Euren Familien frohe und ruhige Weihnachtstage!

 

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Filztasche Kuckucksuhr

Filztasche Kuckucksuhr

 

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Ich musste zweimal nachschauen, diese Filztasche mit der Kuckucksuhr als Motiv gehört zu der Taschenkollektion “Heimat”, welche ich bereits 2012 entworfen haben. Ich war erstaunt, dass es schon so lange her ist, als ich mich das letzte Mal gestalterisch so intensiv mit Taschen befasst habe.

 

Tiefe Einblicke in die Filztasche Kuckucksuhr

Besonders  an dem Motiv der Filztasche Kuckucksuhr  habe ich auch heute noch meinen Spaß. Alle Taschen dieser Serie sind ausgestattet mit einer verschließbaren Innentasche, einem Keyfinder und selbstredend äußerst stabil gearbeitet. Die Trageriemen sind aus strapazierfähigen Baumwollgurten. Was man denn Taschen auf den ersten Blick nicht ansieht, sie sind kleine Raumwunder. Da passt auch schon mal Wesentliches für einen Wochenendtrip rein.

Ein Manko hat die Filztasche Kuckucksuhr und ihre Serien-Kollegen jedoch, sie lassen sich nicht schließen. Ich hatte das für nicht so wichtig gehalten, da die Innentasche durch einen Reißverschluss geschlossen werden kann. Außerdem sind die Tasche so tief,  dass etwaige Langfinger bis zu den Ellenbogen in den Korpus abtauchen müssten um etwas zu stibitzen. Diese Bewegung würde die Trägerin sicher an den Schultergurten merken. Aber es geht ja nicht nur darum den Inhalt vor Verlust sondern auch vor fremden Blicken zu schützen.

 

Filzen lernen. Filztasche Kuckuckuhr. Doris Niestroj | Filzdesign.

 

Wenn Reißverschlüsse verunsichern

Natürlich könnte ich einen Reißverschluss in die Öffnung nähen, aber dann sähe man die Nähten außen quer über die Seiten der Tasche und somit auch durch das Motiv laufen. Fand ich eher suboptimal, Nähte die durch das Motiv laufen, ein No Go für mich.
Es gibt natürlich eine Möglichkeit einen Reißverschluss so anzubringen, dass keine Naht durch irgendwelche Dekore läuft, aaaaber dafür muss man sehr genau arbeiten. Zwar bin ich ein Freund von akkurat gearbeiteten Filz, dennoch scheute ich mich davor. Ich traute es mir einfach nicht zu. Also beließ ich die Öffnung so wie sie war, nämlich offen. Solange, bis sich eine Kundin die Filztasche Kuckucksuhr mit einem Verschluss wünschte. OKEEEEH …. der Mensch wächst ja bekanntlich mit den Aufgaben. Ich machte mich ans Werk.

 

Einfach bedeutet nicht immer einfach

Die Lösung ist eigentlich recht simpel: Innen werden an die Seitenteile, über die gesamte Breite Laschen gefilzt. An diese Laschen wird später der Reißverschluss genäht.  Diese Art des Verschlusses ist gängige Praxis. Nichts Neues und damit eigentlich kein Hexenwerk.

Damit diese beiden Laschen parallel in der Höhe aufeinandertreffen und zwar so exakt, dass der Reißverschluss später nicht schief und krumm eingenäht wird und damit die Tasche verzieht, muss auf ein paar Details geachtet werden. Gutes Filzen beginnt nämlich schon beim gleichmäßigen Auslegen der Wolle.
Besonders bei größeren Werkstücken, wie z.B. bei der Filztasche Kuckucksuhr, eine sehr zeitintensive, wenngleich auch meditative Angelegenheit. Dabei muss man sehr diszipliniert arbeiten. Denn, werden die Wollschichten nicht gleichmäßig ausgelegt, verzieht sich der Korpus spätestens beim Walken. Dort wo die Wolle dünner ausgelegt wurde, zieht er sich mehr zusammen, als da, wo die Wolle dicker ausgelegt wurde.  Das kann zu schiefen Verformungen in Höhe und Breite der Tasche führen.
Manches kann noch mit Ziehen und Zerren während des formgebenden Walkens korrigiert werden, aber auch brachialer Gewalt sind irgendwann physikalische Grenzen gesetzt. Die Folge, die Laschen stoßen in der Höhe nicht parallel aufeinander und der eingenähte Reißverschluss verzieht die Tasche wellig.

 

Filztasche filzen. Filztasche mit Motiv Kuckcuksuhr. Doris Niestroj | Filzdesign.

 

Beim Filzen braucht es ein feines Gefühl

Besonders für Anfänger ist das gute und saubere Auslegen der Wolle erst einmal ein Buch mit 7 Siegeln.  Eine mühevolle, ungeliebte Eichhörnchen-Arbeit aber so wichtig für ein schönes Ergebnis. Anfangs habe ich Striche für jede gelegte Lage gemacht, um nicht durcheinander zu kommen. Mengen von ungleichmäßig dicken Filz habe ich in meiner Anfangszeit produziert. Doch je öfter ich filzte, desto routinierter wurde ich beim Auslegen.
Mit der Zeit erlangte ich die sensorische Fähigkeit feinste Unebenheiten genau zu ertasten, die Kontrollstriche brauchte ich irgendwann nicht mehr. Nach 20 Jahren Filzerfahrung ist es mir in Fleisch und Blut übergegangen, leicht mit der flachen Hand über eine ausgelegte Fläche zu streichen um die Gleichmäßigkeit der ausgelegten Wolle zu prüfen. Es ist erstaunlich wie sensibel unsere Hände sind. Sie sind in der Lage selbst im luftigsten und flauschigsten Material feinste Unebenheiten zu spüren.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe es trotz ärgster Befürchtungen hinbekommen. Die Laschen treffen ganz genau aufeinander, so dass der Reißverschluss sauber, ohne Wellen zu schlagen eingenäht werden konnte. Geht doch!

 

Fazit

Sich selbst auch mal was zutrauen. Gilt im Übrigen nicht nur für das Filzen.

Wenn Du jetzt Lust bekommen hast Dir auch so eine Tasche anzufertigen, Dich aber bislang nicht ans Filzen getraut hast empfehle ich Folgendes:

Trau Dich, Filzen ist einfach zu erlernen und hat eine steile Lernerfolgskurve.
Üben, üben, üben, denn Übung macht den Meister.
Schau Dir das kostenlose Filztutorial ” Grundtechniken & Basiswissen” von Sophia von Art zu Leben an.

Ich wünsche Dir viel Spaß und gutes Gelingen bei Deinen zukünftigen Projekten!

 

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